Bei einer Aortendissektion reißt die innere Schicht der Hauptschlagader ein. Blut dringt in die Gefäßwand ein und spaltet sie der Länge nach auf. Es entsteht ein zweiter, falscher Blutkanal, der sich über weite Abschnitte der Aorta ausdehnen und die Durchblutung von Organen gefährden kann.
Entscheidend ist, wo die Dissektion beginnt. Betrifft sie die aufsteigende Aorta (Typ A), ist sie ein akut lebensbedrohlicher Notfall, der sofort operiert werden muss. Beginnt sie erst nach dem Abgang der Kopf- und Armgefäße in der absteigenden Aorta (Typ B), wird sie in vielen Fällen zunächst mit Medikamenten stabilisiert und engmaschig überwacht.
Der wichtigste Risikofaktor ist ein langjähriger oder schlecht eingestellter Bluthochdruck. Daneben erhöhen ein bestehendes Aneurysma, Bindegewebserkrankungen wie das Marfan-Syndrom und familiäre Aortenerkrankungen das Risiko.
Eine akute Typ-A-Dissektion äußert sich typischerweise durch plötzlichen, heftigsten Schmerz im Brustkorb oder zwischen den Schulterblättern. Sie ist ein Fall für die Rettung und das nächste Herzzentrum, nicht für die Ordination. Die Operation ersetzt den eingerissenen Abschnitt der aufsteigenden Aorta, bei Bedarf einschließlich Aortenwurzel und Bogen.
Diese Eingriffe gehören zu meiner klinischen Tätigkeit als Herzchirurg. In der Ordination betreue ich Patientinnen und Patienten vor allem in der Zeit danach, und das ist die Phase, die über den langfristigen Verlauf entscheidet.
Mit der überstandenen Akutphase ist die Erkrankung nicht abgeschlossen. Der falsche Kanal bleibt in vielen Fällen in Teilen der Aorta bestehen und kann sich über Jahre erweitern. Aus einer chronischen Dissektion kann so ein behandlungsbedürftiges Aneurysma entstehen.
Deshalb gilt nach jeder Dissektion: lebenslange, strukturierte Nachsorge. Sie umfasst regelmäßige CT-Kontrollen in definierten Abständen, eine konsequente Blutdruckeinstellung und die rechtzeitige Planung von Folgeeingriffen, wenn sich Abschnitte der Aorta erweitern. Solche Folgeeingriffe können offen chirurgisch, endovaskulär mit Stentprothesen oder als Kombination beider Verfahren erfolgen. Endovaskuläre Eingriffe führe ich gemeinsam mit unseren Partnern aus der Abteilung für interventionelle Radiologie durch. Die Planung und Organisation übernehme ich, bei der Intervention selbst bin ich dabei.
In meiner Ordination biete ich diese Verlaufsbetreuung aus einer Hand: Befundinterpretation, Festlegung der Kontrollintervalle, Abstimmung mit den behandelnden Internistinnen und Internisten und, falls nötig, die Planung des richtigen Eingriffs zum richtigen Zeitpunkt.
Der lebensbedrohliche Abschnitt ist versorgt, häufig bleibt aber ein dissezierter Rest in Bogen oder absteigender Aorta bestehen. Dieser muss regelmäßig kontrolliert werden. Viele Betroffene leben damit dauerhaft stabil, entscheidend ist die konsequente Nachsorge.
Üblich sind Kontrollen nach drei, sechs und zwölf Monaten, danach jährlich. Bei stabilen Verhältnissen können die Abstände größer werden. Das genaue Schema legen wir individuell fest.
In der Regel Werte unter 130/80 mmHg, oft wird ein Zielwert um 120 mmHg systolisch angestrebt. Die Einstellung erfolgt gemeinsam mit Ihrer Internistin oder Ihrem Internisten.
Moderate Ausdauerbelastung ist meist ausdrücklich erwünscht. Vermeiden sollten Sie maximale Kraftanstrengung mit Pressatmung und Wettkampfsport mit Belastungsspitzen. Was für Sie passt, hängt vom Befund ab und wird individuell festgelegt.
Es gibt familiäre Formen, insbesondere im Zusammenhang mit Bindegewebserkrankungen. Erstgradigen Verwandten wird eine bildgebende Untersuchung der Aorta empfohlen, bei jungen Betroffenen auch eine genetische Abklärung.
Wenn Sie eine Dissektion überstanden haben oder bei Ihnen eine chronische Dissektion festgestellt wurde, übernehme ich gerne die strukturierte Verlaufsbetreuung oder gebe eine Zweitmeinung zu Kontrollintervallen und geplanten Folgeeingriffen. Bringen Sie dazu die vorhandene Bildgebung (CT) und die bisherigen Befunde mit.