Ein Bauchaortenaneurysma ist eine krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader im Bauchraum. Ab einem Durchmesser von etwa 3 cm spricht man von einem Aneurysma. Die Erweiterung entsteht meist über Jahre und verursacht in der Regel keine Beschwerden. Deshalb werden die meisten Bauchaortenaneurysmen zufällig entdeckt, etwa bei einer Ultraschalluntersuchung oder einer Computertomographie aus anderem Anlass.
Risikofaktoren sind vor allem Rauchen, Bluthochdruck, höheres Lebensalter und männliches Geschlecht. Auch eine familiäre Häufung ist bekannt. Wenn bei einem nahen Verwandten ein Aneurysma festgestellt wurde, ist eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll.
Nicht jedes Aneurysma muss operiert werden. Entscheidend ist das Risiko eines Einrisses (Ruptur), das mit zunehmendem Durchmesser steigt. Eine Behandlung wird üblicherweise empfohlen bei:
einem Durchmesser ab etwa 5,5 cm bei Männern bzw. 5,0 cm bei Frauen, einem raschen Wachstum von mehr als 1 cm pro Jahr, sowie bei Beschwerden, die auf das Aneurysma zurückzuführen sind.
Unterhalb dieser Grenzen ist das Rupturrisiko gering. In diesem Fall wird das Aneurysma kontrolliert, in der Regel mit einer ersten Kontrolle nach sechs Monaten und bei stabilem Befund danach jährlich, mit Ultraschall oder CT. Ebenso wichtig ist die Behandlung der Risikofaktoren, allen voran ein Rauchstopp und eine gute Blutdruckeinstellung.
Für die Behandlung stehen zwei Verfahren zur Verfügung. Welches im Einzelfall geeignet ist, hängt von der Anatomie des Aneurysmas, dem Alter und den Begleiterkrankungen ab.
Offene Operation
Bei der offenen Operation wird der erweiterte Abschnitt der Aorta durch eine Gefäßprothese ersetzt. Dieses Verfahren ist seit Jahrzehnten bewährt und bietet eine dauerhafte Lösung mit geringer Rate an Folgeeingriffen. Es eignet sich besonders für Patientinnen und Patienten in gutem Allgemeinzustand sowie bei anatomischen Gegebenheiten, die für eine Stentprothese ungünstig sind.
Endovaskuläre Behandlung (EVAR)
Dabei wird über die Leistengefäße eine Stentprothese in die Aorta eingebracht, die das Aneurysma von innen ausschaltet. Der Eingriff ist schonender und mit einem kürzeren Spitalsaufenthalt verbunden, erfordert jedoch lebenslange bildgebende Kontrollen und häufiger Folgeeingriffe.
Endovaskuläre Eingriffe führe ich gemeinsam mit unseren Partnern aus der Abteilung für interventionelle Radiologie durch. Die Planung und Organisation übernehme ich, bei der Intervention selbst bin ich dabei.
In der Ordination bespreche ich mit Ihnen beide Optionen offen und unabhängig. Als Doppelfacharzt für Herz- und Gefäßchirurgie kann ich beide Verfahren aus eigener Erfahrung einordnen und mit Ihnen die für Sie passende Entscheidung treffen.
Nach einer offenen Operation sind nur wenige Kontrollen erforderlich. Nach einer endovaskulären Behandlung sind regelmäßige bildgebende Untersuchungen notwendig, um die korrekte Lage der Prothese zu überprüfen und sogenannte Endoleaks rechtzeitig zu erkennen. Die Nachsorge kann in meiner Ordination koordiniert und mit den behandelnden Internistinnen und Internisten abgestimmt werden.
Ja, das ist die gefürchtete Komplikation. Das Risiko steigt mit dem Durchmesser deutlich an. Eine Ruptur ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Genau deshalb werden Aneurysmen ab einer bestimmten Größe geplant behandelt, bevor es dazu kommt.
Regelmäßige moderate Bewegung ist ausdrücklich erwünscht. Vermeiden sollten Sie schweres Heben mit Pressatmung und Sportarten mit abrupten Belastungsspitzen. Was in Ihrem Fall sinnvoll ist, besprechen wir individuell.
Im Durchschnitt wenige Millimeter pro Jahr. Das Wachstum verläuft aber nicht gleichmäßig und ist individuell unterschiedlich. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig, deren Abstand sich nach der Größe richtet.
Eine familiäre Häufung ist gut belegt. Erstgradigen Verwandten von Betroffenen wird eine einmalige Ultraschalluntersuchung empfohlen.
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide Verfahren haben klare Vor- und Nachteile, die Entscheidung hängt von Anatomie, Alter und Begleiterkrankungen ab. Wichtig ist, dass beide Optionen unvoreingenommen geprüft werden.
Wenn bei Ihnen ein Bauchaortenaneurysma festgestellt wurde, bespreche ich gerne Befund und Behandlungsoptionen mit Ihnen. Bringen Sie dazu vorhandene Bildgebung (CT, Ultraschall) und Befunde mit. Auch für eine Zweitmeinung vor einer geplanten Behandlung stehe ich zur Verfügung.